Eine Pfarrkirche wird Dom


Nestor Kuckhoff, Dompropst
Nestor Kuckhoff, Dompropst
Die St. Marienkirche, die 1890 auf dem Gelände des ehemaligen Kinderheims entstand, ist nicht als Kathedrale gebaut worden. Ihre zwei großen Türme, die Anlehnung an den Bremer Dom, machen zwar deutlich, dass die Erbauer der neuen Pfarrkirche Größeres beabsichtigten. Aber Hellseher waren sie nicht. Und ein katholischer Bischofssitz in Hamburg war Ende des 19. Jahrhunderts höchstens ein frommer Wunsch. 1995 wurde also eine Pfarrkirche zum Dom befördert. Das ist übrigens kein Einzelfall. Die Berliner Hedwigskathedrale, sogar das Freiburger Münster sind ebenfalls Pfarrkirchen, die im Lauf der Geschichte zu Bischofssitzen wurden.

So gut sich St. Marien als Metropolitankathedrale auch etabliert hat – es fehlte ihr bisher vieles, was ein Dom braucht. Es gab kein festes Gestühl für das Domkapitel, das auch äußerlich zeigt: Hier trifft sich der Rat des Bischofs. Die Beichtstühle waren unzureichend, im Altarraum und in den Gängen war nicht genug Raum für die Gestaltung großer feierlicher Gottesdienste. Schließlich fehlten Funktionsräume, die eine Domkirche braucht. Die Sakristei war kleiner als die Sakristeien vieler Pfarrkirchen. Da zusätzlich auch noch dringende Sanierungsarbeiten anstanden, haben sich der Erzbischof, das Domkapitel und die Dompfarrei für eine grundlegende Erneuerung des Mariendoms entschieden.

Nach einem künstlerischen Wettbewerb hat sich eine Jury für die Arbeit von W. Gies entschieden. Unser Architekt Klaus Dörnen hat nicht nur die Sanierung des Doms, sondern auch den neuen, atriumförmigen Anbau gestaltet. Wir haben während der Bauarbeiten den Mariendom in seiner Geschichte neu kennengelernt. Vieles, was vergessen wurde und was die Geschichte zugedeckt hat, trat neu zu Tage. Zum Beispiel die Wandbemalung, die jetzt wieder sichtbar ist und die eine Brücke zwischen der Gegenwart und der Geschichte schlägt. Der neue Mariendom wird seiner Aufgabe als helles, einladendes Gotteshaus im Stadtzentrum, als würdige Bischofskirche gerecht werden. Ich glaube, die Anstrengung hat sich gelohnt. Sehen Sie selbst!

Nestor Kuckhoff, Dompropst


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