Auf die Platten darf nur Wasser

26. November 2009 um 2:01 Uhr

dominvia-reinigen-domWenn der Hamburger St. Marien-Dom sonntags blitzblank ist, verdanken die Gläubigen das drei Frauen. Das Reinigungsteam macht nicht nur seine Arbeit. Die Domreinigung ist gleichzeitig Teil eines Sozialprojekts.

Schon wieder ein Fünfziger! Wer Kleingeld sucht, wird am Montag unter den Kirchenbänken des Hamburger St. Marien-Doms immer fündig. Umgekehrt betrachtet: Wem sein Scherflein bei der Kollekte am Sonntag ausrutscht und unter die Bank fällt, kann sicher sein: Es landet am Montag im Schatz des heiligen Antonius: Montags ist Putztag im Dom.

Punkt sieben Uhr schieben Lingna Lu, Fancisca Koenigs und Margarita Lang ihren Einsatzwagen durch das Westportal. Auf dem Wagen befindet sich alles, was man für eine Kathedralreinigung braucht: Feudel, Wasser, Lappen, Spachtel. Den Spachtel braucht man, um Kerzenwachs zu entfernen und Kaugummi. „Ja, Kaugummis werden hier ständig unter die Bänke geklebt“, wundert sich Francisca Koenigs.
Was unterscheidet einen Dom von einem gewöhnlichen Haushalt? „Dass er so groß ist“, sagt Margarita Lang. Und empfindlich: Auf die steinernen Bodenplatten darf nur Wasser, keine Seife. Und hoch: Staub und Spinnweben müssen mit langen Stangen von den Fenstern und Bildern gewedelt werden. Dann gibt es noch den Gitterrost am Eingang, der etwas größer und schwerer ist als Fußabtreter in einem Einfamilienhaus. Und das Natursteinpflaster in der Krypta, und den ganzen Atriumanbau. Gegen 15 Uhr werden die drei Frauen ihr Werk geschafft haben, auf jeden Fall vor der Werktagsmesse um 18.15 Uhr.

„Der Montag ist der einzige Tag, an dem bis abends keine Gottesdienste sind“, sagt Regina Wiechers. Die In Via-Mitarbeiterin leitet die Einsätze des Reinigungsteams. Für sie hat der Auftrag ein doppeltes Ziel. Erstens ein sauberer Dom. Zweitens Integrationshilfe für drei Frauen, die in drei verschiedenen Erdteilen geboren wurden.

Margarita Lang (46) kommt aus Kasachstan, Francisca Koenigs aus Brasilien und Lingna Lu (44) aus China. „Hamburg gefällt mir“, sagt die Chinesin, „es ist so schön klein und ruhig.“ Meint sie das ernst? Ja, ihre Heimatstadt Shanghai ist mit 19 Millionen Einwohnern genau zehnmal so groß wie die Elbmetropole. Lingna Lu hat – genau so wie ihre Kolleginnen – Kirchenerfahrung. Seit fünf Jahren ist sie in der Wohnung des Erzbischofs tätig, jetzt also auch im Dom. „Ich freue mich, dass wir diesen Auftrag bekommen haben“, sagt Regina Wiechers.

Auch wenn das nur einer unter vielen ist. Mittlerweile sind 70 Frauen für das „In Via Service Center“ tätig. Die Mitarbeiterinnen bekommen faire, sozialversicherte Arbeitplätze, Urlaub und weitere Hilfen wie Sprachkurse.

Am Anfang hat der katholische Sozialverband „In Via“ vor allem Pfarreien angesprochen, inzwischen hat sich das Angebot auf alle Haushalte ausgedehnt: Vom Putzdienst bis zum Partyservice und Kinderbetreuung und „Hundesitting “ reicht das Einsatzspektrum.

Kontakt: In Via Service Center, Grasredder 13, 21029 Hamburg, Tel. 040 / 73 93 79 74, E-Mail: isc@invia-hamburg.de

Quelle: Neue KirchenZeitung 29. November 2009 Nr. 48