Domerneuerung

Ausgangssituation

Im Inneren des St. Marien-Doms bestand dringender Sanierungsbedarf: Durchfeuchtungsschäden, Rissebildungen, Kondenswasserschäden, Schäden am Mosaik, Setzungsschäden, Durchrostungen, Feuchtigkeit im Fußboden, unzeitgemäße technische Anlagen.

Seit die Pfarrkirche St. Marien im Januar 1995 durch Papst Johannes Paul II. zur Kathedralkirche erhoben wurde, galten zudem besondere liturgische und gestalterische Anforderungen.

„Wir müssen die Kirche so gestalten, dass sie die baulichen Anforderungen an eine Bischofskirche erfüllt und zugleich die Menschen zu Gebet und Besinnung einlädt“.
Erzbischof Werner Thissen

Konzept

Bereits im Jahr 2004 wurde mit einem Architektenwettbewerb der erste Versuch unternommen, die baulichen Anforderungen an eine Kathedralkirche umzusetzen.

Im April 2006 begannen das Domkapitel, die Domgemeinde, Architekten und Fachleute des Erzbistums an der Realisierung dieses anspruchsvollen Projektes zu arbeiten.

Das Ziel war klar vorgegeben: Der Bau der Marienkirche wurde seinerzeit komplett durch Spenden finanziert – und das sollte auch so bleiben: auch die Erneuerung des St. Marien-Doms sollte ausschließlich durch Spenden und Sponsoring ermöglicht werden.

Bauphase

Am 1. Juli 2007 zog die Domgemeinde aus der Kirche aus. Erzbischof Werner Thissen brachte in einer feierlichen Prozession das Allerheiligste (die gewandelten Hostien) in die provisorische Kirche im Pfarrsaal.

In einer ersten Phase wurde die Kirche leergeräumt und die Orgel mit einer Verkleidung geschützt. Der komplette Fußboden wurde herausgerissen. Im Chorraum klaffte ein Loch bis zum Boden des Untergeschosses auf der Ebene der Krypta. Der Boden wurde komplett neu eingezogen. Bei der Arbeit an den Wänden wurden Malereien freigelegt, die durch eine spätere Renovierung übermalt worden waren. Sie sind jetzt wieder sichtbar. Die Glaswand, die den ehemaligen Vorraum vom Kirchenschiff abtrennte, wurde entfernt.
Ein zweiter Aktionsort war die Südseite, wo der Atriumanbau entstand. Die kleine Taufkapelle wurde abgerissen und ein Durchgang geschaffen, der jetzt Kirche und Atriumbau mit Sakristei verbindet.
Nach dem Abriss begann die Errichtung des Anbaus. Das schadhafte Apsismosaik im Chor des Domes wurde restauriert. Im Frühsommer 2008 wurden der neue Altar, Ambo und die anderen Prinzipalien aufgestellt.
Eine „Baustelle für sich“ war die Sanierung und Erweiterung der Orgel. Sie erhielt eine neue Spielanlage und wurde um 15 Register erweitert.

Während des Domerneurung waren 32 Gewerke mit 200 Handwerkern zum Teil gleichzeitig tätig.

Bilder von der Baustelle

Das Erzbistum Hamburg feierte die Eröffnung des neuen St. Marien-Doms mit einer Festwoche vom 21. bis 30. November 2008.
Auf dem Programm standen Gottesdienste, Konzerte, Führungen und viele weitere Veranstaltungen. Höhepunkt war der Eröffnungsgottesdienst mit Altarweihe.

Eröffnungsgottesdienst

Der Einweihungsgottesdienst fand am 23. November 2008 statt:

Nacht der Lichter

mit Bruder Wolfgang aus Taizé

Kathedra

Über den Sinn eines Bischofssitzes

Der Sitz des Bischofs, die „Kathedra“, befindet sich im St. Marien-Dom direkt hinter dem Altar, im Zentrum des Chores.
Sie meint nicht in erster Linie eine Sitzgelegenheit, die man aus praktischen Gründen braucht. Die Kathedra mitsamt der darüber erbauten „Kathedrale“ markiert die Gegenwart Gottes in der Welt.

Wenn man das Wort Kathedra etwas frei übersetzt, dann heißt das: der Sitz unten. Diesen Platz nimmt Jesus ein. Jesus ist „hinabgestiegen in das Reich des Todes“. Er ist absolut der Fußpunkt der Leiter nach oben, und der liegt sehr tief. Menschen dürfen mit ihm verbunden sein, dürfen ein Leib mit ihm werden: Das ist die Kirche. Sie ist eine Leiter, die ganz unten steht und in den Himmel reicht.

Die Kirche ist immer real am Ort. In der Kathedrale ist der Bischof mit dem glaubenden Volk in Jesus Christus die wahre Leiter, über die Gott allen das Leben geben will. Das gilt auch für unsere Hamburger Kathedrale. Sie ist mit die kleinste und bescheidenste unter den Kathedralen Deutschlands in einer der größten Städte. Unsere Kathedrale ist heruntergekommen: aus dem leicht erhöhten Zentrum in die Vorstadt St. Georg, zum einstigen Ort der Siechen und Aussätzigen, dem Problemviertel: Ein richtiger Ort für die Kathedrale.

Auszug aus einem Artikel von Pater Karl Meyer
aus: Unser Dom, Sonderbeilage der Neuen Kirchenzeitung zur Eröffnung des St. Marien-Doms

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