Mariendom erhält eine interessante Reliquie

7. April 2009 um 1:10 Uhr

Hamburg (ms). Eine Kreuzreliquie hat ein Hamburger Katholik dem Metropolitankapitel für den Mariendom geschenkt. Der Mann, in dessen Familienbesitz sich die Reliquie bisher befand, möchte allerdings in der Öffentlichkeit nicht bekannt werden.

Kuckhoff-ReliquieDie grobe Geschichte der Reliquie hat der Spender indessen niedergeschrieben und mit der Schenkungsurkunde an Dompropst Nestor Kuckhoff weitergegeben.
Demnach kam die Familie um 1630/31 in den Besitz der Reliquie. Damals – zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges – lebten die Vorfahren des Stifters auf dem Gebiet des heutigen Oberfranken, wohl in der Gegend von Bayreuth. Als die schwedischen Truppen vorrückten, bat der Abt des benachbarten Klosters die Familie, die Reliquie zu verstecken und aufzubewahren. Trotz aller Gefahren stimmte die Familie zu. Das Kloster soll schon wenig später von den schwedischen Soldaten in Schutt und Asche gelegt worden sein, alle Mönche seien dabei ums Leben gekommen. Weil die Vorfahren des Stifters nach der Eroberung des Gebietes nicht protestantisch werden wollten, zogen sie ins heutige Unterfranken. „Ende des 18. Jahrhunderts stellte ein Vorahne Nachforschungen über die Echtheit der Kreuzreliquie an“, heißt es weiter in dem Bericht. „Ein Vertreter des Vatikans, der dafür nach Fulda kam, beglaubigte dort per Unterschrift und Siegel die Authentizität die Reliquie.“ Damit gehört sie zu den weltweit rund 40 Reliquien, die anerkanntermaßen vom Kreuz Christi stammen sollen. Die Anerkennungsurkunde ist noch erhalten und mit der Schenkung in den Besitz des Metropolitankapitels übergegangen. Die Familienchronik und die Chronik der Reliquie sind dagegen im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen, weshalb viele Details wie der Name des Klosters ungewiss bleiben. Auch die Rosette, in der das Holzkästchen eingebettet war, wurde 1945 aufgebrochen, weil sie für die Flucht zu sperrig war.

Rund 25 Zentimeter lang und 19 Zentimeter breit ist das Holzkästchen, in dessen Mitte der Holzsplitter in ein Kreuz eingelassen liegt. Die Dellen und Einschüsse in dem Glasdeckel lassen vermuten, dass es noch original aus dem 15. Jahrhundert stammt. „Diese Reliquie ist ein wertvolles Geschenk, denn historisch ist der Dom ja nicht üppig ausgestattet“, sagt Dompropst Kuckhoff. 

In einer Vitrine soll die Reliquie künftig unter dem Kreuz des Bildhauers Heinrich Gerhard Bücker in der Krypta einen Platz finden. „Dafür suchen wir jetzt nach einem Sponsoren“, so der Dompropst. Eine Tafel wird über die interessante Geschichte der Reliquie informieren. Und zum Festtag der Kreuzerhöhung soll sie im Altarraum des Mariendom ausgestellt werden.