Segensorte im St. Marien-Dom – Impulse zur Fastenzeit V

Veröffentlicht am 19. März 2021 um 12:00 Uhr

Im heutigen geistlichen Impuls zu „Segensorten“ im St. Marien-Dom stellt Gemeindereferentin Astrid Sievers – sie ist für die Trauerpastoral am Dom zuständig – das Kolumbarium vor.

 

Schriftlesung

Freut euch, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind. Lk 10,20

 

Impuls

„Freut euch, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind“ – dieser trostreiche Satz aus dem Lukas-Evangelium steht als Überschrift über dem Kolumbarium am St. Marien-Dom. Die Gewissheit, dass Gott den Namen eines jeden Menschen – auch über den Tod hinaus – kennt, kann in der Trauer segensreich sein. Namen, die genannt werden, wecken lebendige Erinnerungen an Menschen, die wir kennen und kannten.

Die Verschlussplatten der Grabnischen weisen den Namen und die Lebensdaten eines/einer jeden Einzelnen sowie einen Schattenwurf auf. Kein Schattenwurf gleicht dem anderen. Die Botschaft lautet: Wir tragen einen Namen, der vor Gott Bestand hat – und wir sind alle unterschiedlich.

In der Ausgestaltung des Kolumbariums wird ein Bogen von der Taufe bis in den Tod gespannt. Was in der Taufe begonnen wurde, wird im Tod vollendet. So stehen das Taufbecken oben in der Kirche und die aus dem gleichen Material gearbeitete Stele unten im Kolumbarium miteinander in Verbindung. Bei Bestattungen steht die Urne zunächst auf dem Taufbecken, wird von dort – an der Christusstatue vorbei – hinuntergetragen, auf die Stele gestellt und dann beigesetzt.

Die vergoldete Decke des Kolumbariums unten greift das Leuchten des goldenen Mosaiks oben in der Kirche auf. „Assumpta est Maria in Coelum“, frei übersetzt „Maria ist bei Gott angekommen“: Diese hoffnungsvolle Zusage gilt für alle Verstorbenen.

Aus dem Kolumbarium heraus wird auch der tonnenschwere Altar des St. Marien-Doms gestützt. Die Gottesdienstgemeinde versammelt sich um den Altar herum – und damit wie die ersten Christen auf den Gräbern der Toten.

Die akustische Öffnung – die Grabplatte für die Bischofsgräber in der Krypta – schafft eine Verbindung zwischen dem oberen und dem unteren Bereich. Das Kolumbarium ist kein toter Raum: Gottesdienste, Musik, Alltagsgeräusche – sie alle finden einen Nachklang an diesem Ort.

Das Kolumbarium am St. Marien-Dom – hier finden die Angehörigen einen Ort des Rückzugs, des Innehaltens, der Erinnerung und der Begegnung. Welch ein Segen!

 

Segensgebet

Gott segne euch und behüte euer Leben,
dass ihr nicht abstumpft,
sondern die Fähigkeit behaltet, tief zu fühlen.

Gott segne euch und behüte euer Leben,
dass ihr verletzlich bleibt
um Gottes willen.

Gott segne euch und behüte euer Leben,
dass ihr den Mut findet, der Trauer und dem Abschied zu begegnen,
bis sich beide verwandeln in Segen.

So segne und behüte euch
der lebendige und Leben schaffende Gott
jetzt und allezeit.

Amen.

 

Foto: Klaus Frahm