Stelen Lübecker Märtyrer

Die Lübecker Märtyrer

Am 10. November 1943 wurden im Hamburger Gefängnis am Holstenglacis vier Lübecker Geistliche durch das Fallbeil hingerichtet: Die katholischen Kapläne Eduard Müller, Johannes Prassek und Hermann Lange sowie der evangelische Pastor Karl Friedrich Stellbrink hatten öffentlich gegen die Verbrechen des Nazi-Regimes Stellung bezogen. Unter anderem hatten sie Predigten des Münsteraner Bischofs Clemens August Graf von Galen weiterverbreitet, in denen sich dieser gegen die Ermordung behinderter Menschen im Rahmen des sogenannten „Euthanasie-Programms“ wandte.

Die Aktivitäten der Geistlichen blieben der Gestapo nicht verborgen. Als sich Stellbrink nach der Bombardierung Lübecks am 29. März 1942 in einer Predigt kritisch über das Regime äußerte, wurden alle vier – zusammen mit 18 Laien – verhaftet. Nach langer Untersuchungshaft wurden die Vier im Sommer 1943 vom „Volksgerichtshof “ in einem nur zweitägigen Prozess zum Tode verurteilt.

Unmittelbar nach ihrem Tod setzte die Verehrung der „Lübecker Märtyrer“ ein: Schon am Jahrestag der Hinrichtung wurde in der Krypta der Lübecker Herz-Jesu-Kirche heimlich ein Gottesdienst im Gedenken an sie gefeiert. Ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte die Verehrung am 25. Juni 2011: In einem feierlichen Gottesdienst in Lübeck wurden die katholischen Kapläne seliggesprochen, gleichzeitig wurde Karl Friedrich Stellbrink ehrend gedacht.

Im Schicksal der Lübecker Geistlichen vollzog sich exemplarisch der Konflikt zwischen nationalsozialistischer Weltanschauung und christlichem Glauben. Die vier Geistlichen sind diesem Konflikt nicht ausgewichen, denn je länger das Regime an der Macht war, desto verpflichtender wurde für sie das Gebot, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen (vgl. Apg 5,29). So haben sie die trennenden Grenzen der Konfessionen überwunden und sind zu einem leuchtenden Beispiel einer „Ökumene des Blutes“ (Papst Franziskus) geworden.

Weitere Informationen: www.luebeckermaertyrer.de

 

Ein Gedenkort in Hamburg?

Die originären Gedenkorte der Lübecker Märtyrer sind – wie sollte es anders sein – in Lübeck. Hier haben Eduard Müller, Johannes Prassek, Hermann Lange und Karl Friedrich Stellbrink gelebt; hier haben sie gepredigt, Gottesdienst gefeiert und Menschen seelsorglich begleitet; hier wurden sie festgenommen, saßen in Haft und wurden zum Tod verurteilt.

Gestorben sind die vier Geistlichen jedoch – und das wird mitunter übersehen – nicht in Lübeck, sondern in Hamburg: Am 10. November 1943 wurden sie im Gefängnis am Holstenglacis mit dem Fallbeil binnen Minuten hingerichtet. Insofern ist es durchaus angemessen, auch in Hamburg einen Ort der Erinnerung und Verehrung der Lübecker Märtyrer zu schaffen.

Vor diesem Hintergrund beauftragte das Metropolitankapitel des Erzbistums Hamburg den Bildhauer Karlheinz Oswald, anlässlich des 75. Jahrestages der Hinrichtung der vier Geistlichen einen geeigneten Gedenkort am St. Marien-Dom zu gestalten. Die Einweihung durch Erzbischof Stefan Heße fand am 28. Juni 2018 – dem 125jährigen Kirchweihjubiläum des St. Marien-Doms – statt.

Karlheinz Oswald ist in Hamburg kein Unbekannter: Von ihm stammt auch das St. Ansgar-Denkmal aus Eisen auf dem Domplatz. Für die Lübecker Märtyrer schuf er nun vier Stelen aus dem gleichen Material, die auf dem Domherrenfriedhof ihren Platz gefunden haben. Die beiden Denkmäler bilden eine Klammer: Der heilige Ansgar brachte vor fast 1.200 Jahren den christlichen Glauben in den Norden – die Lübecker Märtyrer haben ihn durch ihr Leben und Sterben über alle konfessionellen Grenzen hinweg eindrucksvoll bezeugt.

Der besondere Dank des Metropolitankapitels gilt der inzwischen verstorbenen Frau Inge Haberstroh, die dieses Projekt durch ihre Spende ermöglicht hat.

 

Karlheinz Oswald

wurde 1958 in Worms geboren. Schon während des Kunststudiums von 1981 bis 1990 an der Universität Mainz wurde er mehrfach ausgezeichnet. Studienreisen führten ihn u. a. nach Rom, New York, Florenz, Verona und Berlin. Die Ausdrucksformen Karlheinz Oswalds sind vielseitig – so ist er seit Studientagen sowohl als Maler als auch als Bildhauer tätig. Bekannt wurde er vor allem für seine in Eisen gegossenen Plastiken, darunter viele mit einem christlichen Bezug. Seine Werke sind heute in ganz Europa und darüber hinaus zu finden, u. a. in London, Paris, Athen, Lausanne und im Vatikan. Einzelausstellungen wurden u. a. in Berlin, Frankfurt, Stuttgart, Brüssel und Seoul realisiert. Karlheinz Oswald lebt und arbeitet in Zürich und Locarno.

Weitere Informationen: www.oswald-galerie.ch

 

Foto der Stelen der Lübecker Märtyrer: Klaus Byner