Geschichte

St. Ansgar

Im Jahr 810 wurde das nordelbische Gebiet bis zur Eider in das Frankenreich eingegliedert. Dadurch wurde eine dauerhafte kirchliche Organisation möglich. In dem fränkischen Kastell Hammaburg entstand eine Taufkirche.

Der Benediktinermönch Ansgar wurde 831 erster Bischof des neu errichteten Bistums Hamburg. Er baute eine hölzerne Domkirche. Bei dem Wikingerüberfall 845 verbrannte dieser erste Dom und Ansgar musste aus der Stadt fliehen.

Nach der Zerstörung Hamburgs wurde das Bistum Hamburg mit dem Bistum Bremen zum Erzbistum Bremen-Hamburg vereinigt. In Hamburg gab es weiterhin ein Domkapitel als Vertretung des Bischofs. Es betrieb unter anderem den Bau des Mariendoms.

Der alte Dom

Im 11. Jahrhundert wurde ein steinerner Mariendom errichtet, der in den folgenden Jahrhunderten vielfach verändert und erweitert wurde:

Ab 1245 wurde eine dreischiffige Basilika in frühgotischem Stil errichtet, die 1329 geweiht wurde. Am Ende des Jahrhunderts wurde sie um zwei Schiffe erweitert und zur backsteingotischen Hallenkirche umgestaltet. 1443 erhielt die Kirche eine Turmspitze. Dieser Bau blieb im Wesentlichen bis zum Abbruch 1806 erhalten.

Ab 1522 hielt die Reformation Einzug in Hamburg. Der Dom bildete noch einige Zeit eine Enklave in Hamburg, die wechselnd auswärtigen Mächten unterstand.

Sonnins Experimente am Turm des Doms

Der bekannte Baumeister und Ingenieur Ernst Georg Sonnin (1713 – 1794) war mit der Instandsetzung von Kirchenbauten betraut. In Hamburg waren durch den morastigen Untergrund viele Kirchentürme im Laufe der Jahre schief geworden. Sonnin hatte mit einfachen Mitteln viele schiefe Kirchentürme wieder „gerade gerückt“.

Am Beispiel des Turms des Mariendoms führte Sonnin ein Experiment durch: Mit neuen Methoden und modernem Werkzeug richtete er den Turm wieder aus. Doch als die Maßnahme gerade abgeschlossen war, ließ er den Turm wieder in seine schiefe Lage sinken – zum Entsetzen der um den Dom versammelten Bevölkerung. Doch der Ingenieur wollte nur seinen Lösungsversuch ein zweites Mal präsentieren, was ihm hervorragend gelang.

Abriss des Mariendoms

1803 wurde der Hamburger Dom säkularisiert und von 1804 bis 1807 abgerissen. Der Abbruch ab 1806 wurde offiziell mit der enormen Baulast und dem Hinweis auf die unbedeutend kleine Domgemeinde gerechtfertigt. Wertvolle Kunstschätze, Urkunden und Dokumente wurden gestohlen, verschenkt oder verkauft. Nur weniges von der reichen Ausstattung wurde bewahrt und findet sich heute andernorts wieder.

Der Hamburger Dom war ein begehrter Begräbnisort – mehr als 370 Gräber befanden sich unter den Bodenplatten aus Sandstein. Nachdem mit dem Abriss des Doms begonnen worden war, wurden viele der Grabplatten zur Befestigung des Kanalbaus und der Sielanlagen in Hamburg verwendet. Der Steinabfall wurde zum Ausbau der Deiche in Ochsenwerder und Spadenland gebraucht.

An den alten Hamburger Mariendom erinnern heute nur noch Straßennamen in der Stadt: Domstraße und Domplatz.

Papst Benedikt V.

Zu den außergewöhnlichen Ereignissen in der Geschichte des Hamburger Doms gehört die Verbannung des römischen Papstes Benedikt V.

Benedikt wurde am 25. Mai 964 zum Papst gewählt. Aber die Wahl stand unter schlechten Vorzeichen. Kaiser Otto I. wollte einen eigenen Papst durchsetzen. Er ließ Rom belagern, und Benedikt V. wurde in die Verbannung geschickt, in den letzten Vorposten des christlichen Abendlandes, nach Hamburg. Die „Stadt“ bestand nur aus ein paar Häusern, geschützt von einem Erdwall. Der „Dom“ war aus Holz gebaut, umgeben von Erde und Schmutz. Der Gast aus Italien hielt diesen Bedingungen nicht lange stand. Er starb am 4. Juli 965. Seine Gebeine wurden nach Rom zurückgebracht und bestattet.

Benedikt V. gilt jedoch bis heute als rechtmäßiger Papst. Im Hamburger Dom errichtete das Domkapitel ein Grabmal (Kenotaph), das aber beim Abriss des Doms zerstört wurde. Heute sind Reste von diesem Grabmal im Hamburg Museum vorhanden.

Neubau der St. Marien Kirche

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts lebten nur noch wenige Katholiken in Hamburg. Im Zuge der Industrialisierung und Hafenerweiterung stieg ihre Zahl stark an, besonders in St. Georg. 1861 gründeten Ordensschwestern hier ein Waisenhaus.

Die St. Marien-Kirche entstand in einem Hinterhof neben dem Waisenhaus. Der 64 Meter hohe Doppelturm war hoch genug, um von weitem sichtbar zu sein. Erst die Zerstörung der vor der Kirche stehenden Häuser im Zweiten Weltkrieg ermöglichte den Kirchplatz in der heutigen Form.

1889 wurde der Paderborner Architekt Arnold Güldenpfennig mit dem Bau der Kirche beauftragt. Der damalige Bischof von Osnabrück Bernhard Höting wünschte sich eine Kirche „in dem ruhig und gemessen wirkenden romanischen Stil“. Am 28. Juni 1893 wurde die im neuromanischen Stil erbaute St. Marien Kirche geweiht.

Die St. Marien Kirche ist der erste katholische Kirchenneubau in Hamburg seit der Reformation und steht für ein Wiedererwachen katholischen Selbstbewusstseins in der Diaspora.

Die St. Marien Kirche wird zur Domkirche

Am 7. Januar 1995 wurde die Errichtung des Erzbistums Hamburg feierlich vollzogen. Zugleich wurde die Pfarrkirche St. Marien zur Domkirche erhoben.

Als Sitz des Erzbischofs und Kathedralkirche des Erzbistums Hamburg wurden an die St. Marien Kirche neue Anforderungen gestellt.

Anfang 2007 beschloss Erzbischof Dr. Werner Thissen, die Kathedrale gründlich zu sanieren und umzubauen. Für die Zwecke der bischöflichen Liturgie wurde ein neuer Sakristeianbau konzipiert.

Am 1. Juli 2007 wurde die Kirche für die Zeit des Umbaus geschlossen und am 23. November 2008 neu eröffnet.